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Bericht über das Seminar „Gewässeruntersuchung“ am 29. und 30.09.2006

Zufall oder Absicht, dass gerade ich diesen Bericht über das Gewässerseminar am 29./30. September schreiben soll?  Begann meine Tauchkarriere doch damit, dass ich mich köstlich über einen Freund amüsierte, der mir von seinen Tauchgängen in hiesigen Seen berichtete. Freiwillig in das grüne und für mich damals noch schleimig, schaumig und dunkel aussehende Nass abtauchen. Hab ich gelacht!

Nach einem Jahr Tauchausbildung höre ich die Frage: „Na, und wo tauchst du denn so?“  immer wieder gerne und lehne jedes Mitleid ab, wenn ich nicht von den Malediven oder anderen exotischen Gewässern berichten kann. Denn gerade in den hiesigen Seen gibt es viel zu entdecken und viel zu verstehen. Und da ich immer weniger mit dem simplem Überleben unter Wasser beschäftigt bin, meine Arm- und Beintätigkeit kaum noch eine zusätzliche Wasserumwälzung bewirken, kam mir das Biologieseminar gerade recht. Hat es mich doch endgültig davon überzeugt, die Augen unter Wasser offen zu halten, nicht nur auf der Suche nach meinem Buddy.



Jetzt zu den Einzelheiten: Freitag Abend trafen wir uns in unserem Clubheim mit Mitgliedern des Stollberger und des Erftstadter Tauchvereins. Der Referent Andreas Heisig erzählte viele interessante Dinge über seine berufliche Tätigkeit, detailliert nachzulesen und anzuschauen unter seiner Homepage www.limnea.net. Als Spezialist für Gewässerqualität war es sein Ziel, für dieses Seminar mit uns gemeinsam die Wasserqualität des Bösinghovener Weihers ohne Messinstrumente, d.h. nur durch einen „Sichtbefund“ zu bestimmen.

Mit einem spannenden und daher sehr unterhaltsamen Mix aus Anekdoten seines  erfahrungsreichen Berufslebens und der Erklärung ökologischer Zusammenhänge ergab sich schnell eine Aufzählung von Aspekten, auf die wir am nächsten Tag unter Wasser achten sollten. Z.B. die Bodenfarbe im Blick zu behalten, d.h. sieht sie hell und gesund aus oder breitet sich unter uns ein dunkler Verwesungsteppich aus? Das grüne Pflanzengewirr genau zu beobachten um die Artenvielfalt zu bestimmen, wobei vor allem die Verbreitungshäufigkeit bestimmter Pflanzen ein wichtiger Indikator ist.

Doch am meisten beeindruckt hat mich seine Beschreibung gewisser Algen, die, wenn sie nicht gut genug tarieren können und die Wasseroberfläche zu schnell erreichen, dies mit ihrem Leben bezahlen müssen, da sie ganz einfach platzen und als weißer Schaum ans Ufer gespült werden, so wie die kleine Meerjungfrau im Märchen. Was sagt uns das?

Für alle Phänomene, die wir im Laufe eines Jahres im See erleben können, bzw. die langjährige Kenner des „Bösi“ berichten konnten, gab Andreas Erklärungen. Für gute und schlechte Sichtverhältnisse, Veralgungsprobleme, stark schwankende Fischbestände, schleichende Verlandung (täglich sinken Tonnen! toten Materials auf den Grund), Verdrängung der heimischen Tierwelt durch eingewanderte oder eingeschleppte Exoten wie den amerikanischen Flusskrebs und vieles mehr.

Fazit des theoretischen Teils: Wir sollen uns keine wundervollen langen, heißen, sonnigen Sommer wünschen, die Angler im kritischen Blick behalten, keine exotischen Tiere in der Toilette versenken, nicht den Grund aufmelmen im guten Glauben, dadurch Luft ins Dunkel zu bringen, oder Enten und ähnliche Flugtiere an Gewässern füttern. Zumindest nicht, wenn wir beim Tauchen etwas sehen und nicht nach Schwefel stinkend und mit leichten Vergiftungserscheinungen dem Wasser entsteigen möchten. Ach ja, und die Frage nach sanitären Einrichtungen am Bösi haben wir, auf das Thema „Eutrophierung“ kommend, diskret übergangen.



Der Samstag begann praktisch und daher im Tauchanzug. In Dreiergruppen aufgeteilt, mit einer Plastikflasche und genauen Instruktionen ausgerüstet, tauchten wir ab. Im Gegensatz zu den sonst geltenden strengen Regeln griffen wir nach allem, was uns vor die Maske kam. Rissen Pflanzenteile ab, stocherten im Modder, pulten an Muscheln herum und melmten den Grund stellenweise sehr gründlich beim Versuch, Krebse zu fangen, auf. Pflanzen aller Art wanderten, oft erst nach heftiger Gegenwehr in unseren Gefäße, ebenso wie ein toter und ein lebender Krebs. Steine, Stöckchen und einfach Undefinierbares wurde zusammengesammelt. Nur die eindeutig zu identifizierenden Dinge wie Bananenschalen, Joghurtbecher und Schraubenzieher ließen wir zurück.

Aus dem See entstiegen, die Tauchutensilien zügig verstaut, versammelten wir uns auf der Plattform, um die Schätze zunächst nur grob zu sortieren. Dabei wurde der als amerikanischer Flusskrebs bestimmte Seebewohner schnell wieder in die Freiheit entlassen. Ein Gruppen-mitglied erwähnte das Pilotprojekt „Edelkrebs NRW“. Diese Initiative bemüht sich die Krebs-populationen zu sichten und zu dokumentieren, um das Aussterben heimischer Krebsarten zu verhindern. (Sabine besitzt einen Prospekt).



Zurück im Vereinsheim hatte Andreas inzwischen Mikroskope aufgebaut, Petrischalen, Wannen, Pinzetten, Pipetten und sonstige Dinge verteilt, mit denen es möglich wurde, den Schlamm, das Grün, die sich bewegenden Stöcke, usw. enttarnen zu können, die wir zunächst in größere Schüsseln verteilt hatten. Eine weitere Wanne voller Fachliteratur und sein Fachwissen wurden zu Rate gezogen; lebhafte Diskussionen entstanden über die Bezeichnung des Gefundenen sowie dessen Nutzen. Und allmählich entpuppte sich das „Grün“ des Sees als faszinierende und vielfältige Welt, in der Blasenschnecken ihre Eier auf dem Tausendblatt ablegen, die Köcherfliegen sehr wählerisch in der Auswahl ihres Baumaterials sind, der leichte Silberblick der Plattwürmer auf ein Vielfaches vergrößert durchaus sympathisch wirkt. Die mit bloßem Auge nicht zu erkennende filigrane Schönheit der Libellenlarven, die schnell wiedererkannte Wasserassel sowie Subjekte, deren Namen nicht ganz eingängig waren, wie ich jetzt feststellen muss. Faszinierend auch, wie viele Liter Wasser eine Muschel so vor sich hinfiltert und damit für unseren Durchblick im See sorgt.

Nach Stunden, einige Teilnehmer zeigten trotz bester Verpflegung Ermüdungserscheinungen, und auch die Verwesungsprozesse im Wasser machten mit starkem Geruch auf sich auf-merksam, wurden die Ergebnisse zusammengetragen. Natürlich nicht, bevor wir die eingesammelten Wasserproben mit ihren Bewohnern zum Geroweiher getragen und dort freigelassen hatten. Getrennt nach Pflanzen- und Tierbestand und nach Häufigkeit ihres Vorkommens wurde anhand speziell dafür vorgesehener Listen die Wasserqualität unseres Bösis bestimmt. Mit einem Wert von 3,0 hatte Andreas sein Ziel „wir machen einen klaren Bergsee“ knapp verfehlt, aber trotzdem erhielt der Weiher am Ende gute Bewertungen: 1. eine gute Wasserqualität zu haben, 2. ein Flachsee und kein Weiher! zu sein. 3. überhaupt ein schönes Taucherlebnis zu bieten.  – Irgendwelche Einsprüche?

Abgerundet wurde der Versuch von Andreas, uns für das Ökosystem Wasser zu interessieren mit zwei wunderbaren Dokumentarvideos seiner aktuellen Projekte zur Wiederansiedlung und zum Schutz von Äsche und Bachsaibling in Österreich und Deutschland. (nichts für Frostbeulen).

Egal ob besonders spektakulär oder überschaubar wie am Wochenende, bei Andreas gibt es noch viel zu lernen ohne sich belehrt zu fühlen. Darin waren wir uns alle einig. Und wer mehr wissen möchte bzw. neue Herausforderung sucht (man beachte die geforderten Tauchgänge/ Brevets)  sollte sich die obige Internetadresse genauer anschauen.

Sonja Diebenbusch



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